Charlott Schwenn berichtet aus Ringgold (Georgia / USA)

 

Nach einer Veranstaltung der „Returnees“ an unserer Schule war mir klar, ich wollte ins Land der Träume, in die USA.
Nach der Überlegung kam der schwierigste Teil, meine Eltern zu überzeugen & eine Austauschorganisation zu finden (gar nicht so einfach, denn da sind viele möglich).
Nach dem diese gefunden war & auch meine Eltern ihre Zustimmung gaben, konnte es los gehen & ich wurde zu einem Interview von GIVE in Berlin eingeladen & bekam später  die Nachricht das mein Traum in Erfüllung gehen sollte.
Danach ging es weiter, ich bekam eine Menge Unterlagen zugeschickt & musste mich vom Arzt durchchecken lassen. Als dies erledigt war ging es dann ans warten.
Leider wurde dieses Warten nicht gleich belohnt & ich musste sogar nachdem alle schon an ihrem Ziel waren, wieder in meine alte Schule gehen.
Am 31.August,  klingelt plötzlich das Telefon & man beglückwünschte mich & sagte mir, dass man eine Familie für mich gefunden habe.
Ich war völlig durcheinander, hatte ich mich denn nicht schon damit abgefunden meinen Traum, Traum sein zu lassen? Am selben Tag folgte die erste Nachricht meiner Gastmutter & das machte mir bewusst, dass es bald losgehen sollte.
Nach anfänglichem Schock war dieser Gedanke aber verflogen & ich freute mich auf meine 10 folgenden Monate in den USA.

Und erst dann begann der ganze Stress, denn innerhalb von einer Woche, musste ich Koffer packen, das Visum beantragen, die Deutsche Botschaft aufsuchen & Gastgeschenke organisieren. Trotz der kurzen Zeit klappte alles super.

Am 11.September, nach einem emotionalen Abschied von meiner Familie in Berlin, saß ich ein paar Stunden später in München auf dem Flughafen & lass einen Brief von meinen Lieben, den ich in meinem mitgenommen Buch, als Überraschung gefunden hatte.
So langsam machte ich mir Gedanken was mich erwarten würde, aber umso mehr freute ich mich auf das bevorstehende.
9 Stunden später & nach einer Stunde Verspätung kam ich dann ich meiner neuen Heimat Ringgold, Georgia an. Dort erwarteten mich schon meine Gasteltern & meine Gastschwestern (Zwillinge) mit Plakaten um mich willkommen zu heißen. Auch für meine Familie war es ein ganz neues Gefühl, denn ich war ihre erste Austauschschülerin. Schon da merkte ich, dass mich die Sprache auf eine harte Probe stellen würde, aber dafür war ich ja dort. In meinem neuen zu Hause angekommen durfte ich mein Zimmer beziehen, Sachen auspacken & mich ausruhen nach dem langen Flug. Mein Zimmer wurde extra für mich eingerichtet & sogar ein Schrank wurde für mich gebaut.

2 Tage später begann dann schon die Schule, schließlich hatte die Schule in Ringgold schon längst begonnen & erst da wurde mir bewusst das mein Englisch mir hier nicht viel helfen würde, denn an meinem 1.Schultag habe ich so gut wie gar nichts verstanden.

Der Tag im ersten Semester fing mit Sport an, was anders war als in Deutschland, denn jeder durfte das machen, was ihm Spaß macht, danach ging es weiter mit Englisch was für mich nicht zu verstehen war, Web-Design & zum Schluss Chor wo ich herzlich & mit Freude begrüßt wurde. Alles in Allem war der erste Schultag wohl normal, außer das ich mich wegen meines Verstehens nicht unbedingt gut fühlte.

Aber dies sollte sich ändern, denn nach einer Weile legte sich auch das & ich begann Freunde zu finden, mit denen ich noch heute im regen Kontakt stehe.

Im 2ten Semester ging dann alles schon viel fließender. Ich belegte Deutsch, Sport, US- History & Government. Schule in den Staaten ist einfach ein ganz anderes Gefühl, da ist dieser „SchoolSpirit“ den man Tag für Tag fühlt.

Schüler stehen, & vor allem wollen zu ihrer Schule stehen, denn sie lieben was sie machen. Man geht relaxt in den Tag & auch die Beziehung zum Lehrer ist was ganz anderes. Manchmal ist es so als ob du einen Guten Freund an deiner Seite hast. Sie interessieren sich nicht nur für das Schulische, nein vor allem aber, für das was danach ist. Schnell musste ich feststellen das ich ohne viel zu lernen, täglich sehr gute Noten schrieb und außerdem das Niveau viel einfacher ist als in Deutschland, auch wenn es nicht immer ganz einfach war.
Am Nachmittag finden Clubs statt wo du deine Freunde wieder triffst & dich für Soziales einsetzt, Dinge leitest, dich sportlich betätigst oder einfach deine Freizeit genießt.

Auch die Beziehung zu meiner Gastfamilie veränderte sich spätestens nach den Herbstferien. Wir fuhren ans Meer nach Myrtle Beach (South Carolina) und verbrachten tolle Tage, mein Englisch wurde besser & meine Gastschwestern und ich wurden ein Herz und eine Seele. Ich weiß noch, dass meine Gastmutter mal zu mir sagte, das ich am Anfang ziemlich oft komisch guckte wenn ich etwas nicht verstehen konnte, sie aber froh war, dass sich das veränderte mit der Zeit. Auch zu den Großeltern (Tennessee) konnte ich eine ziemlich gute Beziehung aufbauen. Mal fuhren wir zu ihnen oder sie kamen zu uns nach Hause & besuchten uns.
Durch meinen Betreuer lernte ich auch meine deutsche Freundin in Amerika kennen, unsere Gasteltern waren sehr gut befreundet und arbeiteten zusammen und sie war die Gastschülerin meines Betreuers. Noch heute träumen wir gemeinsam von unserer wundervollen Zeit in den USA.
Feiertage sind ein Highlight in den Staaten, sie werden fast immer groß gefeiert. Es wird alles geschmückt, es gibt viel zu essen, man sitzt bei einander und die Verwandtschaft ist vollzählig.
In den USA ist es nicht wichtig wie viel Geld du hast, sondern wie viel Zeit du mit der Familie verbringen kannst. Man muss nicht ständig was unternehmen, es gibt auch Abende oder Nachmittage wo man zusammen auf der Couch sitzt sich unterhält und Filme guckt.

Tolle Tage verbrachte ich auch bei den Jobs meiner Gasteltern. So konnte ich mir ein Bild über das verschaffen was sie machen. Meine Gastmom ist TV-Direktor, sie schneidet alles was man sieht, im Fernsehen zusammen & mein Gastdad ist Rettungssanitäter. Ich war wirklich erschaut und ich finde es bemerkenswert wie beide es meistern und mit Spaß bei der Arbeit sind.

Wie viele Amerikaner gehen auch meine Gasteltern in die Kirche. Zuerst wollte ich nicht mit, da ich auch kein wirklicher Kirchengänger bin, aber da ich im Kopf hatte, dass man alles ausprobieren sollte, ging ich auf Wunsch meiner beiden Schwestern mit. Und dieses Erlebnis wurde ein zweites Highlight meiner 10 Monate. Ich traf auf herzliche und liebenswerte Menschen und Kirche war nicht so langweilig wie ich sie mir vorgestellt hatte, sondern es war modern und ohne großes Kirchenfeeling.

Prom, ein großes Abschlussfest für die 12ten Klassen in Amerika, welches die 11ten schmeißen war am Ende des Schuljahres eines der schönsten Momente für mich.
Es werden Kleider gekauft, das Make-up wird gemacht  & man fühlt sich wie eine Prinzessin. Schon als mich mein Date abholte, war es wie in meinem persönlichen Märchen. Bevor die große Feier beginnt geht man meistens noch mit seinem Date oder seinen Freunden essen, ich tat beides. Danach beginnt der noch schönste Teil des Abends. Es werden Fotos gemacht, es wird getanzt, man hat Spaß mit seinen Freunden & ganz wichtig es gibt keinen Alkohol.
Danach folgten auch schon fast die Sommerferien und es wurde Zeit meine Sachen zu packen und meine Erinnerungen ganz fest in mein Herz zu schließen.
Am 4.Juni ging es dann wieder auf den Weg nach Deutschland & um ganz ehrlich zu sein dieser Schritt fiel mir am schwersten von all der Zeit dort, denn ich lernte etwas kennen was ich weiß Gott nie wieder missen möchte.
Ich verabschiedete mich also wie ein Jahr zuvor von einem neuen Teil meiner Familie und versprach bald zurück zu sein. Stieg in den Flieger, wurde in Deutschland von dem anderen wichtigen Teil meiner Familie empfangen & ich wusste, ich bin wieder in einem meiner beiden zu Hause und zwar in Deutschland.

Diese 10 Monate waren das Beste was mir passieren konnte, ich habe gelernt was es heißt auf mich gestellt zu sein, Entscheidungen zu treffen & vor allem selbstbewusster zu sein.
 
Ich bin so froh, dass ich durch GIVE die Möglichkeit bekommen habe, meinen Traum zu leben. Ich bin stolz sagen zu können, dass sich meine Familie um einen großen Teil erweitert hat und das ich nun auf 2 Teilen der Erde zu Hause bin.
Amerika fehlt mir schon sehr, tolerante Menschen, die dich kennen lernen wollen weil sie sich für deinen Charakter interessieren und nicht weil du gut aussiehst.
Ich glaube, wenn ich jetzt darüber nachdenke, würde ich es immer wieder machen.
Und vor allem sollte man schätzen, dass Eltern es einem ermöglichen, diesen Schritt zu gehen.

Noch jetzt skype ich fast jedes Wochenende mit meiner Gastfamilie und plane sogar meinen nächsten Sommer dort zu verbringen. Bis dahin bleiben mir viele Fotos und natürlich meine Erinnerungen und Andenken.

Ich kann jedem nur empfehlen seinen Traum zu leben und seine Angst zu überwinden, denn irgendwo gibt es für jeden einen Platz und man sollte für das Leben, was man hat!
Denn wie heißt es so schön „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“

Go Your Own Way!