Lea Nicklas berichtet vom Orewa College - Orewa (Nordinsel / Neuseeland)

Hallo! Mein Name ist Lea Nicklas und ich war mit 16 Jahren für ein halbes Jahr in Neuseeland. Genauer gesagt, war ich am Orewa College. Orewa liegt mit dem öffentlichen Bus etwa 1 Stunde von Neuseelands größter Stadt, Auckland, entfernt, direkt am Strand. Und was für ein Strand! Die Lage war also perfekt und ich freute mich schon vor dem Abflug riesig darauf. Vor allem auch deshalb, weil ich dem kalten, deutschen Winter entkommen und ins Badewetter fliegen würde.

Der Abschied war gar kein Problem, denn ich war voller Vorfreude und wusste ja, dass ich alle bald wieder sehen würde. Der Flug war zwar zeitweise anstrengend aber dann auch wieder echt lustig. Dies galt besonders für den Aufenthalt im Flughafen von Singapur  zusammen mit den ganzen anderen Schülern, die auch alle nach Neuseeland flogen und mit der Flugbegleiterin von Give.

In Auckland angekommen, hatte ich während der Vorbereitungswoche leider keine sehr zugewandte, interessierte Gastfamilie. Ich lebte dort jedoch zusammen mit 3 anderen Mädchen aus Deutschland, einer Japanerin und einem Brasilianer. Wir verbrachten also viel Zeit miteinander und auch durch die vielen Ausflüge, die man während der Vorbereitungswoche macht, verging die Woche wie im Flug. Alles war neu. Alles war spannend und vor allem sonnig!

Und dann ging es tatsächlich mit dem Bus nach Orewa. Die Aufregung war groß! Als Letzte fand ich schließlich auch meine aus der Schweiz stammende Gastmutter. Zu allererst beeindruckte mich das wunderschöne Haus, die 7 (!!!) Katzen und die tolle Lage. An einem Hügel, die Bucht überblickend und nur 2 Gehminuten vom Meer entfernt. Traumhaft. Das Orewa College gefiel mir am Anfang nicht so gut, da ich den Eindruck hatte, keine Leute kennen zu lernen. Dies erwies sich im Laufe der Zeit als Irrtum. Denn - doch, ich fand sogar viele Freunde. Man muss da nur sehr hinterher sein. Und dann findet man sogar Freunde fürs Leben! Garantiert. Auch heute, bald schon 2 Jahre später, schreibe und skype ich regelmäßig mit diesen Freunden. Das Fächerangebot am Orewa College ist wirklich super und die Schule bietet alles, sogar ein kleines Fitnessstudio und eine Surf AG. Auch mein Südinsel Trip während der Termferien, der absolut einmalig war(!), war vom Orewa College organisiert worden. Ich war also auch von meiner Schule bald schon hell auf begeistert. Leider stellte sich nach ein paar Wochen heraus, dass die Chemie zwischen meiner Gastmutter, ihrer 20-jährigen Tochter, die noch zu Hause lebte und mir nicht stimmte. Wir schwiegen beim Essen und keiner interessierte sich für mich. Jedoch gab es am Orewa College nicht nur massig „Internationals“ (Schüler wie mich, die aus einem anderen Land kommen), sondern vor allem auch JUDY! Allein, um sie kennenzulernen  lohnt sich der Besuch des Orewa College tausendmal! Sie ist ein Engel und Teufel zugleich. Frech und stets auf einen Streich aus, aber mit einer unendlichen, mütterlichen Zuneigung und Geduld kümmert sich Judy um jeden einzelnen International. Von verlorenen Ipods über Familienwechsel und Heimweh, Judy ist immer da und zwar mit einer Menge Humor!

Nach einer kleinen Verzögerung, weil ich Vegetarierin bin, fand Judy meine perfekte Gastfamilie! Es war ein junges, noch unverheiratetes Pärchen, zu dem Zeitpunkt beide noch keine 25 Jahre alt. Ich fuhr natürlich zusammen mit einer Freundin hin, um Hallo zu sagen und wollte gar nicht mehr weg. Die beiden waren gerade in ihr eigenes kleines Häuschen eingezogen. Ich war Feuer und Flamme. Sie sind beide ehemalige Schüler des Orewa College. Er war sogar Head Boy und 1st 15- rugby Spieler gewesen. Ihr Haus steht ebenfalls nur einige Gehminuten vom Strand entfernt. Es war wunderbar. Ich zog ein- und wollte nicht mehr weg. Nie wieder! Es war unglaublich. Es entwickelte sich eine besondere Art von Routine. Sie bestand vor allem aus nach Hause kommen, auf meinen Gastpapa warten, mit ihm reden (eigentlich eher  engagiert über jegliches Sozialkundethema oder Kultur diskutieren), schnell noch einkaufen, bevor meine Gastmama merkt, dass wir die Kekse und das Eis schon wieder ohne sie gegessen haben und dann Essen kochen, zusammen Essen und dann den Abend gemeinsam bei irgendwelchen Freunden oder Verwandten der beiden verbringen. Es war traumhaft. Ich gehörte einfach dazu.

Auch am Wochenende unternahmen wir gemeinsame Ausflüge, auf die ich sogar Freunde mitnehmen durfte.  Zum Beispielfuhren wir zusammen nach Rotorua und Whitianga. Es war jedes Mal das Abenteuer pur. Wir unternahmen so viel, dass wir abends nur noch in unsere Betten fielen. Auch mit den Geschwistern der beiden, die teilweise in meinem Alter waren, verstand ich mich ausgezeichnet. Alles war perfekt. Bis auf den Abschied. Der Abschied von meinen Gasteltern war das schmerzhafteste, das ich während meines Aufenthaltes erlebte und ich kann es kaum erwarten, wieder zurück zu gehen. Irgendwann…

 Ich kann also einen Auslandsaufenthalt sowohl generell als auch die Wahl für Neuseeland bzw. Orewa nur jedem aufs wärmste Empfehlen. Viele machen sich vielleicht Sorgen, ob man nicht Heimweh hat, aber nein, sobald man sich eingelebt hat, geht die Zeit meist schneller um, als man denkt und will. Auch als ich nach Hause kam, war mein Heimweh nach Neuseeland schlimmer, als ich Deutschland je vermisst hatte. Ich erlebte einen gewissen Kulturschock, als ich nach Hause kam. Aber auch das geht vorbei und in die Schule habe ich mich super wieder eingefunden. Ich bin wieder direkt in meine bisherige Klasse eingestiegen. Man lernt sehr viel Englisch und ich habe auch in anderen Fächern Themen durchgenommen, die jetzt in Deutschland relevant sind. So z.B. in Sozialkunde. Nur in Mathe musste ich etwas nacharbeiten. Es ist aber  echt kein Problem gewesen. Macht euch also um diese Dinge  keine Sorgen. Ich kann euch einen Aufenthalt wirklich nur empfehlen, weil  man so viel Gutes daraus mitnimmt und  so viel über ein fremdes Land, aber auch über sich selbst lernt!