Annabell Kreuzer berichtet vom Linwood College - Christchurch (Südinsel / Neuseeland)

Als ich irgendwann einmal vor ein paar Jahren den Prospekt einer Outdoorfirma in die Hand bekam, ergriff es mich: das Verlangen, nach Neuseeland zu kommen. Dieser Katalog war nämlich voll mit Bildern der atemberaubenden Landschaft und der aufregenden Aktivitäten und ich wusste sofort: das ist mein Land. Zu diesem Zeitpunkt traute ich mir allerdings noch nicht zu, für längere Zeit ins Ausland zu gehen.

Doch schließlich bekam ich einen Katalog von GIVE in die Finger, und als ich sah, dass man auch für nur 3 Monate ins Ausland gehen kann, war mir klar, dass ich meine Eltern irgendwie dazu überreden musste, mir diesen Aufenthalt zu ermöglichen. Nach einigen Monaten harter Überzeugungsarbeit und dem Versprechen, einen Teil des Geldes mit Nachhilfe & Co. zu finanzieren, hatte ich es schließlich geschafft. Das ganze Chaos von Anmelden über Visaantrag bis zum Vorbereitungsseminar kurz vorher begann…

Und schließlich war es soweit: am 21. Januar stand ich schließlich mit circa 40 anderen zukünftigen Austauschschülern, die mindestens genauso aufgeregt waren wie ich, am Düsseldorfer Flughafen. Nach dem schwierigen Teil des Verabschiedens, den ich so kurz wie möglich zu machen versuchte, saßen wir dann endlich im Flugzeug. Die Reisezeit von fast 36 Stunden kam mir dann auch ewig lang vor, doch irgendwann erreichten wir dann endlich unser Ziel Wellington, wo die Vorbereitungswoche stattfinden sollte.

Ich bekam auch eine wirklich sehr nette Gastfamilie, in der außer mir noch 3 andere deutsche Mädchen untergebracht waren, mit denen ich mich super verstand. Wir hatte eine tolle Woche, in der wir viel von Wellington sahen und schon einiges über Neuseeland lernten und so manche Freundschaft schlossen.

Eine Woche später war dann der große Tag gekommen: wir alle saßen in unseren Flugzeugen, die uns an unseren endgültigen Aufenthaltsort bringen sollten. Die Spannung stieg ins Unendliche - in ein paar  Stunden würde ich meine “richtige” Gastfamilie kennen lernen! Doch in Christchurch angekommen, stellte sich heraus, dass die Sorgen unnötig gewesen waren. Meine Gastfamilie empfing mich herzlich, und das Haus, in dem wir nach der nervenaufreibenden ersten Autofahrt ankamen, war einfach nur ein Traum: es war riesig, und von meinem Apartment,  das über ein eigenes Bad, ein Doppelbett und einen begehbaren Kleiderschrank verfügte, hatte ich einen beeindruckenden Blick über die Stadt, die Port Hills, die Hügel, wo ich direkt mittendrin wohnte, und die Southern Alps. Meine Gastgeschenke kamen auch super an und der erste Tag wurde mit einem gemütlichen BBQ beendet.

Meine Gastfamilie, das waren die beiden Gasteltern Jane und Barry und ihre beiden süßen Kinder, der siebenjährige Andy und die neunjährige Rosie, mit denen ich immer gut zurecht kam. Das Essen des begeisterten Hobby-Kochs Barry schmeckte mir super und es gab so gut wie nie irgendwelche Konflikte oder Probleme. Sie kümmerten sich sehr herzlich um mich, ließen mir aber auch viele Freiheiten, wie zum Beispiel Freunde mit nach Hause zu bringen oder andere zu besuchen. Ich muss sagen, das ich schon sehr viel Glück mit dieser Familie hatte!

Nach ein paar Tagen lernte ich dann auch meine Schule, das Linwood College. Außerdem gab es dort um die 30 deutschen Austauschschüler und unzählige Brasilianer, Asiaten und Co., was den Kontakt zu Kiwis (Neuseeländern) recht schwer machte. Natürlich hatte es auch Vorteile, dort Schüler zu sein, da man weder eine Schuluniform tragen musste noch wirklich viele  Hausaufgaben aufbekam, wodurch man mehr Zeit für Freizeitaktivitäten hatte. Allerdings störte es mich, dass man nicht als “gleichwertiger” Schüler anerkannt wurde. Ich belegte die Fächer Englisch, Mathe, Tourismus, Geschichte und Media und hatte vielleicht auch ein wenig Pech, da in diesem Term keine Exkursionen stattfanden. Die Lehrer waren aber alle erstaunlich nett, und das in Deutschland doch recht langweilige Englisch entwickelte sich schnell zu meinem Lieblingsfach. Mit der Zeit lebte ich mich außerdem immer mehr in der Schule ein und gewöhnte mich an diesen Lebens- und Lernstil, der ja nun ganz anders war als in Deutschland: eben typisch “easy-going”!

Zum Glück hatte ich mich für das zusätzliche Fach “Adventure Education” angemeldet, wodurch man 2 mal in der Woche aus dem normalen Schulalltag herauskam, nämlich in die Natur Neuseelands. Wir machten viele tolle Aktivitäten, wie zum Beispiel Surfen, Canyoning und Klippenspringen, 2 Camps und unternahmen zum Schluss eine tolle fünftägige Reise in den Norden der Südinsel. Unser Lehrer Mr. Ashton stellte sich als begeisterter Abenteurer heraus, ohne den das Programm nur halb so gut gewesen wäre. Der einzige Nachteil war, dass es nur für Austauschschüler war und deshalb die Anforderungen nicht allzu hoch waren, was die Länge und den Anspruch von Wanderungen und Ähnlichem betraf und man wieder von den Kiwis getrennt war. Alles in Allem lohnte es sich aber sehr und wir hatten alle viel Spaß.

Mir als begeisterten Sportkletterin gefielen besonders die Klettermöglichkeiten in Christchurch. In der tollen und großen Kletterhalle “The Roxx” lernte ich das Wettkampf-Team “Flying Geckos” kennen, mit welchem ich dann regelmäßig trainierte. Dadurch, dass ich sogar sofort eine “Scolarship”, eine Art Stipendium für die Kletterhalle, bekam, war es dann auch unheimlich günstig. Dort freundete ich mich auch mit vielen Kiwis an, mit welchen ich dann öfters draußen am Fels klettern ging und die mit mir sogar einige Male in das grandiose Bouldergebiet “Castle Hill” in den Southern Alps fuhren.

Aber auch mit einigen Internationals machte ich am Wochenende tolle Sachen, wie zum Beispiel eine Tagestour zum Mount Cook und Lake Tekapo, Sea Kajaking im kleinen Örtchen Akaroa, eine Wanderung über die Port Hills nach Lyttelton oder einfach nur Shopping in einer der zahlreichen Malls Christchurchs und Sonnen am nahe gelegenen Strand. Dadurch konnte ich auch schon in meiner Zeit in Christchurch so einiges von Neuseeland sehen.

Ein weiteres Highlight war meine kurze Reise nach Dunedin, bei welcher ich eine Freundin, die ich auf der Vorbereitungswoche kennen gelernt hatte, besuchte. Wir hatten sehr viel Spaß zusammen und schauten uns die berühmten Moeraki Boulders an, bestiegen die steilste Straße der Welt und sahen auf der Otago Peninsula einen Seelöwen. Im Anschluss machten wir eine Woche Sightseeing in Christchurch.

Nach ungefähr zwei Monaten in Christchurch war meine schöne Zeit dort aber auch schon zu Ende und  ich musste mich von meiner Gastfamilie verabschieden, da ich mit Freunden eine Flying Kiwi Tour von Queenstown im Süden bis zur Bay of Islands im Norden machte. Diese Reise war einfach der absolute Hammer: ich sah  grandiose Landschaften wie den Fox Glacier, die Pancake Rocks und die goldenen Strände im Abel Tasman National Park auf der Südinsel, aber auch die Vulkankegel und Dünen der Nordinsel. Die Aktivitäten wie Jetboating, Wanderungen und Sandboarding waren toll, aber der absolute Höhepunkt war der Bungy-Jump ganz zu Anfang in Queenstown. Ich traute mich sogar, den höchsten zu machen, nämlich den Nevis 134m. Das war mit Abstand der beste Ostersonntag meines Lebens!

Wegen dem Vulkanausbruch in Island und der dadurch verursachten Einschränkung des weltweiten Flugverkehrs musste ich am Ende meines Aufenthalts noch eine kurze Verlängerung in Kauf nehmen, die mich aber nicht wirklich störte. Da ich in der Gastfamilie einer Freundin in Auckland bleiben durfte, konnte ich diese Zeit noch super nutzen und die Metropole Auckland erkunden.

Ein wenig froh war ich dann aber schon, als ich ein paar Tage später meinen Ersatzflug zurück nach Deutschland antreten konnte, auch wenn es sich komisch anfühlte, Neuseeland nach einer doch recht langen Zeit zu verlassen. Doch eins war mir klar und tröstete mich über den Abschied hinweg: ich werde auf jeden Fall wiederkommen!

Ich habe es keine Sekunde bereut, diesen Austausch gemacht zu haben. Auch wenn einem 3 Monate kurz vorkommen mögen und auch ich am Ende gerne noch länger geblieben wäre, lohnt es sich auf jeden Fall, gerade wenn man so viele Möglichkeiten hat, das Land kennen zu lernen, wie ich sie hatte.

 

Sweet as!!!

 

 
Dein High School Aufenthalt - optimal mit GIVE