Annika Nagel berichtet vom Fort Richmond Collegiate - Winnipeg (Manitoba / Kanada)

Hallo! Mein Name ist Annika und ich bin 16, wobei ich diesen Geburtstag übrigens in Kanada gefeiert hab. Ich hatte schon ziemlich lange geplant einen Austausch zu machen, und als die Tage bis zu meinem Abflug kürzer wurden, konnte ich vor Aufregung kaum noch ruhig schlafen. Einige Wochen vor dem Abflug bekam ich dann auch meine Gastfamilie, und fing sofort an E-Mails mit ihnen zu schreiben. Ich traute mich zwar nicht anzurufen, aber 2 Tage bevor es losging rief meine Gastmutter selber an. Ich war so überrascht, dass ich kaum wusste was ich sagen sollte, aber es war trotzdem sehr spannend.

Dann war er da, der Tag des Abflugs und da ich einen frühen Flieger hatte, konnte ich den Sonnenaufgang miterleben, was das Aufstehen um 3 Uhr morgens wirklich wieder wett machte. Die 3 Flüge bis nach Winnipeg gingen relativ schnell vorbei (obwohl man ja fast einen Tag unterwegs ist), Toronto empfing uns mit strahlendem Sonnenschein, und dann stand ich mit den anderen Austauschschülern plötzlich am Flughafen Winnipeg und traute mich nicht weiter zu gehen; dort unten standen sie, die Gastfamilien! Aber natürlich bin ich dann doch gegangen, und wurde von meiner Famile (Mutter Brenda, ihr Freund Dale, meinen Gastschwestern Robyn (15) und Carrie (17) ) mit einem Schild, auf dem mein Name stand, und vielen Umarmungen empfangen. Nachdem sie mich dann erstmal nach hause gebracht und meine Koffer in’s Haus gestellt hatten, ging es gleich weiter mit mir zu einem Begrüßungsessen bei ‚Applebees‘ einem netten Restaurant in Winnipeg. Als wir dann später zurückkamen war ich zwar todmüde, aber ich entschloss mich dann doch noch auszupacken, um anschließend in’s Bett zu fallen. (Die nächsten Tage wachte ich immer recht früh auf, aber das legte sich auch, nachdem ich mich dann an die Zeitumstellung gewöhnt hatte.)

Die ersten paar Tage waren gefüllt von Ausflügen, Kinobesuchen und einfach erlebnisreichen Stunden mit meinen 2 Gastschwestern, die wirklich alles taten, um meine ersten Tage so gut wie möglich zu machen. Eine Woche nach meiner Ankunft hatte ich dann auch Geburtstag, was erstmal mit der ganzen Familie und Freunden in einem Bowlingcenter gefeiert wurde, mit viel Pizza und Cola, spätestens da wusste ich dann, das ich vollends angekommen war.

An diesem Tag fing auch die Schule an, ich war auf dem ‚Fort Richmond Collegiate‘ in der 11ten Klasse; die Schule, auf der meine ältere Gastschwester gewesen, und meine jüngere gerade in die 10te gekommen war. Der erste Tag bestand hauptsächlich aus einem Barbecue, und dass wir durch die Schule geführt wurden (am Anfang kam ich überhaupt nicht mit der Raumnummerierung zurecht), aber am nächsten Tag ging es richtig los. Ich hatte zwar schon einen Stundenplan bekommen, aber da ich auch Belegungspflichten von meiner Schule in Deutschland zu erfüllen hatte, musste ich am selben Tag zu meiner Counsellorin, die dafür zuständigen war, gehen. Das Fächerwechseln war ganz einfach, und nachdem dann alles geklärt war hatte ich: Physics, French, Canadian History, ein ELA Fach (English Language Arts), und PreCalculus (Mathe). All diese Fächer kann man auch in verschiedenen Schwierigkeitsgraden nehmen, aber ich nahm die für die 11te vorgesehenen, was wirklich gut zu bewältigen war, da die Schulen dort wirklich ein langsameres Lerntempo als wir hier haben. Was mir dann aufgefallen ist, ist, dass es dort unglaublich viel asiatische Austauschschüler gibt, und auch viele aus Brasilien, sodass man in den kleinen Pausen zum Raumwechseln immer einen Haufen unterschiedlicher Sprachen auf dem Gang hört. Abgesehen davon gibt es in Kanada auch sehr viele Wohltätigkeitsorganisationen, wir hatten ständig Plakate und Veranstaltungen zum Spendensammeln in der Schule.

Meine Freizeit habe ich hauptsächlich damit verbracht fernzusehen (sehr süchtig machend), mit unserem Hund Madison, einem Golden Retriever zu spielen (viele Familien haben dort Tiere), Hausaufgaben zu machen (man kriegt dort sehr viel mehr auf, als hier!) oder mit meiner Famile in’s Kino zu gehen (meine jüngere ‚Sis‘: Robyn arbeitete darin ;-) ), und wir hatten auch ständig Essen von McDonalds zuhause, einmal weil die dort nun mal sehr viel Fast Food essen, und dann, weil meine ältere ‚Sis‘: Carrie dort arbeitete.

Die Jugendlichen dort sind sowieso sehr viel unabhängiger als hier, die meisten haben Jobs und fahren auch sobald sie 16 sind, Auto.

Tja, die Zeit verging schnell, Thanksgiving mit Truthahn, Halloween mit den gruseligen Dekorationen, Weihnachten im Tiefschnee und unzählige Geburtstage, alles wurde gefeiert (auch die Pembina Trails Division veranstaltete Partys für die Austauschschüler) und meine 5 Monate gingen viel zu schnell rum.

Ich finde es immer noch schade, dass der Tage meines Abschieds dann so plötzlich da war, vor allem weil ich noch soviel mehr von Kanada sehen wollte, ich hatte ja nur Spätsommer (selbst dann noch mit Temperaturen von 30°C), bunten Herbst und dann 3 Monate tiefsten Winter erlebt (mit unvergesslichen Erlebnissen wie Tagestemperatur -30°C, täglichem Schneeschippen und Schlittenfahrten mit anschließendem Lagerfeuer im Schnee), aber meine Gastfamilie hatte mit mir keine Ausflüge außerhalb Winnipegs gemacht; schon das ist ein Grund wiederzukommen.

Jedenfalls musste ich mich dann am Ende doch von allem verabschieden. Meine Gastmutter tat mir besonders Leid, als sie sagte „I feel like loosing a daughter!“, da war es sehr schwer wegzugehen und ich musste oft versprechen wiederzukommen. Am letzten Abend sind wir dann nochmal zu ‚Applebees‘ gegangen (wir hatten sogar den selben Tisch wie am Anfang), und es fühlte sich sehr seltsam an einerseits schon so lange da gewesen zu sein, und andererseits dann am nächsten Tag so unglaublich weit weg zu sein.

Dann ging es am nächsten Tag sehr schnell, Koffer in’s Auto, zum Flughafen, mit vielen anderen Austauschschülern warten, ein paar letzte Fotos und Umarmungen und dann zum Gate, zurück nach Deutschland…

Mein Kanada Abenteuer werde ich sicher nie vergessen, und ich habe dort wirklich viel gelernt und neue Freunde gefunden, dass ich nur jedem empfehlen kann so etwas zu machen; und zum Abschluss sei gesagt, dass Winnipeg zwar sehr heiß, voll Mücken und dann wieder sehr kalt sein kann, aber dennoch eine sehr empfehlenswerte Stadt ist .

 
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