Tina Papenfuss berichtet von der Wellington Secondary School - Nanaimo (British Columbia / Kanada)

Das beste halbe Jahr meines Lebens

So kann ich es wirklich nennen. Am Anfang wusste ich nicht, ob mit dieser Erwartung nicht vielleicht enttäuscht werden würde, und habe deshalb versucht, offen für alles zu sein. Am Ende hat sie sich aber doch bestätigt, da ich soviel Neues kennengelernt und erfahren habe und dazu noch soviel Spaß hatte.

Ich wusste schon lange, dass ich mir diese Riesenchance nicht entgehen lassen will. Als es dann an der Zeit war, habe ich mich sofort mit Feuereifer auf die notwendigen Vorbereitungspakete gestürzt, die ich von GIVE immer zugeschickt bekam und fühlte mich wirklich gut betreut. Außerdem fand ich das Vorbereitungsseminar super gemacht.

Immer wieder habe ich mir ausgemalt, wie es wohl werden wird…Ich hatte einfach Lust auf diese große Veränderung.

Nach dem schweren Abschied von meinen Freunden war es auch noch einmal eine tränenreiche Angelegenheit, mich vor dem Sicherheitscheck am Flughafen von meiner Familie zu verabschieden. Heulend machte ich mich auf den Weg, doch nach ein paar Minuten war das auch schon wieder weg und ich kam mir so selbstständig vor!

Als ich die anderen GIVE-Teilnehmer traf, kamen wir direkt ins Gespräch. Wie der Zufall es wollte, saß ich im Flieger neben einem Mädchen, die auch nach Nanaimo wollte und mit der ich später die ganzen Monate über befreundet war.

Zwischendurch kamen mir immer wieder viele Gedanken wie ‚Was mache ich hier eigentlich?’ und ich versuchte, mir mein kanadisches Leben auszumalen, das bald beginnen würde...alles in allem hielt sich die Nervosität zurück, aber wahrscheinlich eher dadurch, dass sich alles so unrealistisch anfühlte.

Als wir dann mit dem rappelnden kleinen Flugzeug auf Vancouver Island landeten, war ich so euphorisch! Ich kam mir vor wie eine Abenteurerin.

Meine Familie war nett und hat mich gleich vielen Freunden vorgestellt. Meine Hostmom ist sehr jung mit ihren 30 Jahren, sodass sie auf mich auch wie eine Freundin wirkte, und meine Gastgeschwister (14+13-jährige Mädchen, 5-jähriger Junge) waren schon daran gewöhnt, ‚internationals’ bei sich im Haus zu haben. So war alles sehr locker und ich habe mich gleich zuhause gefühlt! Ich liebte mein Zimmer, doch ein guter Rat von mir: Geht auf eure Familie zu und seid nicht zu viel in eurem Raum, denn dann lernt ihr euch gegenseitig besser kennen.

Ich wurde in die Haushaltsregeln eingeführt, was bedeutete, dass ich mein Zimmer sauber halten musste, meine Wäsche selber wusch, und einmal pro Woche mit meiner brasilianischen Gastschwester das Mädchen-Badezimmer putzen sollte.

Insgesamt kam ich damit gut klar und mit den Pflichten lernte man, verantwortungsbewusst zu sein. Da man ja eigentlich Gast ist, war es für mich selbstverständlich, auch immer mal Hilfe anzubieten.

Mit meiner brasilianischen Gastschwester, die ein paar Tage nach mir ankam, verstand ich mich auf Anhieb und wir wurden die besten Freunde! Vor allem am Anfang haben wir alles zusammen gemacht und redeten abends oft stundenlang über unser kanadisches Leben, aber auch über unsere Heimaten. So lernte ich Rio de Janeiro, ihre Stadt für die sie stundenlang schwärmen kann, richtig gut kennen, und sogar, mich auf portugiesisch vorzustellen! J

Wir und unsere 13-jährige kanadische Gastschwester gingen zusammen auf die Wellington Secondary School. Am ersten Tag musste ich erst mittags in die Schule und meine Gastmutter hat mich hingefahren, so dass es noch kein richtig ‚ernster’ Schultag war ;)

Ich traf auf all die anderen international students (insgesamt waren es um die 50, aus Spanien, Brasilien, Deutschland, Mexiko, Asien, Türkei, Italien) und wir freundeten uns sofort an. Klar, wir alle waren in der gleichen Situation! Vor allem in der ersten Zeit, wenn man noch dabei ist, sich ans englisch zu gewöhnen und etwas schüchtern ist, auf Kanadier zuzugehen, halfen einem diese tollen Freundschaften sehr.

Das beste an den vielen internationalen Schülern fand ich, dass man sehr offen für neues wird, sehr viel lernt und sehr lustige Situationen erlebt, wenn man zum Beispiel versucht, etwas auf japanisch zu sagen oder Spaniern deutsch beizubringen.

Die Schule war auch super freundlich zu uns und hatte bei dieser ‚Welcome-Party’ direkt etwas typisches für uns: Timbits und Pizza ;)

Mir gefiel ‚die Wellington’ auf Anhieb gut. Sie war recht übersichtlich, da sie sternförmig aufgebaut war, und den ‚Schoolspirit’ hat man auch spätestens nach Mottotagen wie dem Pyjama-Day richtig gespürt!

Ich fand, dass die Kanadier im Gegensatz zu den Deutschen weniger darauf achten, was andere von ihnen denken, was dazu führte, dass manche auch mal in Schlafanzug oder Sportsachen in die Schule kamen. Das fand ich einfach cool! Das Leben kam mir im Land der atemberaubenden Natur, der internationalen Einwohner und der vielfältigen Kultur einfach entspannter vor.

Meine Fächer (Mathe, Photographie, Französisch, Tanzen) haben mir so gut gefallen, dass es mir richtig Spaß gemacht hat, zur Schule zu gehen. Mir gefielen die motivierten Lehrer und der leere Stundenplan mit den 4 Fächern, die jeden Tag einfach nur in einer anderen Reihenfolge unterrichtet werden.

Für Deutsche, da kann ich jeden beruhigen, ist der Stoff nicht schwer zu bewältigen. Nach ein paar Wochen versteht man alles im Unterricht und die Tests sind einfacher als in Deutschland.

Ich wurde oft gefragt, was sonst noch die größten Unterschiede sind zwischen Kanada und Deutschland.

Erst einmal ist da die Natur, die auf Vancouver Island besonders schön ist! Das kleine Hafenstädtchen Nanaimo liegt umgeben von Regenwald und dem Pazifik mit seinen wunderschönen Küsten und Stränden.

Dann sieht einfach alles größer aus: die Häuser, Straßen, Autos, Fastfoodketten, Jumbo-Packungen im riesigen Walmart…doch da gewöhnt man sich schnell dran.

Wo ich mich immer sehr drauf gefreut habe, waren die Ausflüge nach Vancouver oder in die Umgebung. Entweder haben wir das selbst mit ein paar Freunden oder der Familie geplant, oder die Organisation hat einen ‚international trip’ mit allen Austauschschülern gemacht. Da ging es zum Beispiel natürlich nach Vancouver, oder in die hübsche Hauptstadt Victoria, nach Seattle, zum Curling, zum Skigebiet Mount Washington, in die Rocky Mountains oder zur abenteuerlichen Hängebrücke.

An all den Wochenenden war ich mit Freunden dann mal am Strand, beim Bowling, schwimmen, Billard spielen, in Restaurants, auf Parties oder im Kino.

Auf jeden Fall war jeder einzelne Tag einfach wunderschön, hat super viel Spaß gemacht und all die Freundschaften, die entstanden sind, haben mein kanadisches Leben zu etwas ganz besonderem gemacht. Ich habe alles genossen und versucht, diese tolle Zeit auszunutzen, die ich nie vergessen werde!

 

Fotos zu diesem Bericht

Dein High School Aufenthalt - optimal mit GIVE
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