Sophie Schmidt berichtet aus Vancouver (British Columbia / Kanada)

Am 3.September, morgens um halb neun, brachte meine Familie mich in München zum Flughafen. Ich war in meinem Leben noch nie so aufgeregt gewesen. Die Vorstellung, dass ich meine Familie für die nächsten 10 Monate nicht sehen würde und gerade auf dem Weg in ein fremdes Land war, wo ich keine Menschenseele kannte und die Sprache mehr schlecht als recht , machte mir Angst. Doch als ich dann am Frankfurter Flughafen ein Mädchen, das ich beim Vorbereitungstreffen in Köln kennengelernt hatte, traf, ging es mir gleich viel besser und wir haben uns den ganzen langen Flug Mut  zugesprochen. Völlig übernächtigt -deutsche Zeit 1 Uhr nachts – stand ich dann am kanadischen Zoll und mir wurde schlagartig wieder schlecht. Jetzt stellte ich mir vor, wie das Jahr in einer fremden Familie sein würde, die ich am Anfang kaum verstehen würde.

Meine Gastmutter hat mich anhand der Fotos, die ich vorab geschickt hatte, sofort erkannt. Ich habe mich sofort super mit ihr verstanden . Es war auch gar nicht so schlimm ihr Englisch zu verstehen (oder vielleicht hat sie anfangs auch nur langsam mit mir geredet). Nach einer halben Stunde Fahrt habe ich dann auch meine Gastbrüder, Gastschwester und Gastvater kennengelernt. Auch sie waren von Anfang an supernett zu mir.  Ich habe mich direkt wie ein Familienmitglied gefühlt, obwohl ich die ersten beiden Wochen Schwierigkeiten hatte, der Konversation beim Abendessen zu folgen.

Mein erster Schultag war etwas chaotisch, da ich weder Treppen noch Klassenräume gefunden habe. Aber bis zum Ende der Woche habe ich mich fehlerfrei in der Schule zurechtgefunden.

In meinem Jahr in Vancouver habe ich begonnen Spanisch in der Schule zu lernen.  Ich hätte mir nie vorstellen können, dass ich eine andere Sprache auf Englisch lernen könne.

Was mich auch sehr stolz gemacht hat war, dass ich bei den Muttersprachlern im 3.Term ein B erzielt habe, und dass wo ich noch vor ein paar Monaten in Deutschland auf einer fünf stand.

Was ich am kanadische Schulsystem besonders beeindruckend finde, ist, die herzliche Schüler-Lehrer-Beziehung. Die Schüler dort sind richtig befreundet mit ihren Lehrern und verabschieden sie sogar mit einer Umarmung, sie treffen sich auch mal auf einen Kaffee. Es ist alles viel lockerer als in Deutschland.

Die Schüler lernen mit Spaß, sie identifizieren sich mit ihrer Schule und tun alles dafür, dass die Aufführungen gelingen. Ich wurde sehr herzlich in das Hockeyteam der Schule aufgenommen. Was ich von Deutschland nicht kenne sind die wöchentlichen Durchsagen über die Ergebnisse der Schulmannschaften. Es ist schon ein tolles Gefühl, wenn die Durchsage ertönt, dass wir mit der Mannschaft für die Schule am Wochenende gewonnen haben.

Einzigartig in Vancouver war der nahegelegene Grouse Mountain, der bis 22 Uhr offen hatte. Nach der Schule bin ich oft noch zum Skifahren gefahren mit Blick über den Atlantik und einer tollen Aussicht über das Lichtermeer von Vancouver. Das war ein großartiges Erlebnis.

Auch Weihnachten war ein großartiges Fest für mich.  Ich habe gelernt, wie man in Kanada feiert. Mit Geschenken wurde ich genauso bedacht wie meine Gastgeschwister . Auch an Weihnachten hatte ich kein Heimweh.

Dies war mein schönstes Jahr und ich wäre gerne länger geblieben, doch leider wollten das meine Eltern nicht. Ich vermisse meine kanadische Familie, meine kanadischen Freunde und die Offenheit der Kanadier. Jedem, der die Chance hat, kann ich nur empfehlen, ein Auslandsjahr in Kanada zu machen.

 

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