Lena Timmermann berichtet aus Langley (British Columbia / Kanada)

Hallo, ich bin Lena, 17 Jahre alt und ich bin gerade erst vor 3 Wochen nach einer unglaublich tollen Zeit in Kanada wieder nach Hause gekommen.

Dass ich für eine Zeit nach Amerika gehen wollte, stand für mich schon immer fest. Ich war nämlich unheimlich interessiert daran wie, wie es wäre mal an einer echten Highschool zu sein, die man ja sonst nur aus dem Fernsehen kennt. Da es dann leider keine Plätze für ein 3-Monats-Programm in den USA mehr gab, entschied ich mich für Kanada. Ich suchte mir die Stadt Langley in der Nähe von Vancouver im Westen von Kanada und die Brookswood Secondary School dort aus. Am 29. August 2008 ging es dann schließlich los - nach einigen Abschiedtränen aber auch viel Vorfreude – von Münster-Osnabrück über Frankfurt und Toronto nach Vancouver, wo mich meine Gastmutter vom Flughafen abholte.

Die ersten Tage waren noch Ferien und ich hatte Zeit, meine Gastfamilie (bestehend aus meiner Gastmutter Judi, meinem Gastvater Ned und meinen 3 Gastgeschwistern Alexi (16), Zuri (12) und Sammy (10) ) näher kennen zu lernen. Außerdem lernte ich gleich die – zumindest für meine Gastfamilie- typischen Wochenenden kennen: ein Sportturnier der Kinder nach dem nächsten; die Eltern dürfen natürlich bei keinem Spiel fehlen! Vom ersten Tag an verstand ich mich vor allem mit meinen neuen Eltern und Brüdern super. Meine Gastschwester war sehr beschäftigt mit Schule, Sport und ihrem neuen Freund - bis zum Ende haben wir daher leider nicht viel Zeit zusammen verbracht.

Mein erster Schultag war schon sehr aufregend, weil alles so anders und neu war. Da ich von meiner Schule hier keine Vorgaben mitbekommen hatte, nutzte ich natürlich das tolle Schulfächerangebot dort aus und belegte fast ausschließlich Fächer wie Kochen, Fotografieren oder Theater spielen. J Mit dem anderen deutschen Mädchen, Franzi, die auch auf meine Schule ging und die ich schon beim Vorbereitungstreffen in Frankfurt kennen gelernt hatte, freundete ich mich gleich gut an. Die ersten Tage war es dann doch ganz hilfreich, wenigstens einen Menschen dort zu kennen. Dadurch, dass es keine festen Klassen sondern nur Kurse gibt und man in jedem Fach 30 verschiedene Leute sieht, ist es nicht ganz so einfach gleich am Anfang Freundschaften zu schließen. Diese Zeit, in der ich noch etwas unsicher war, dauerte allerdings höchstens ein paar Tage.

Vor allem in Schulfächer wie Theater lernt man dann doch recht schnell viele nette Leute kennen. Außerdem hatte ich das Glück, dass ich auch in Kanada weiter Volleyball spielen konnte und auch in die Schulmannschaft aufgenommen wurde. Durch die viele Zeit, die ich so mit den Mädchen in der Mannschaft verbrachte, schloss ich dort auch recht schnell ein paar Freundschaften. Allerdings hatte die Zeit im Volleyballteam auch einen kleinen Nachteil: da viele Nachmittage für Trainings und Spiele und einige Wochenenden für Turniere draufgingen, konnte ich leider nicht so viel unternehmen, wie ich gerne gemacht hätte. Einige Ausflüge habe ich natürlich trotzdem gemacht: gleich am Anfang zum Beispiel nahmen mich Franzi und ihre Gastmutter mit in die wunderschöne Stadt Victoria auf Vancouver Island (auf der Fährenfahrt dorthin konnten wir übrigens Wale sehen!!!) , ein anderes Mal fuhren alle „International Students“ (übrigens nur 3 Deutsche, 4 Brasilianer und einige Asiaten) und der „International Club“ meiner Schule in den Skiort Whistler für eine riesige Stadtrallye. Auch Vancouver, dass mit dem Bus und dem „Sky Train“ nur etwa 1 Stunde entfernt war, besuchte ich mehrmals. Vor allem aber hatten es mir aber die großen Shopping-Malls mit unzähligen Geschäften und - im Verhältnis zu Deutschland - einfach supergünstigen Preisen dort angetan. Ich bin nun mal auch nur ein Mädchen. J Andere Highlights meiner 3 Monate dort waren noch der „Schooldance“ (so was wie eine große Party in der Turnhalle für alle Schüler) und vor allem Halloween. Dieser Tag war wirklich einmalig: wirklich fast jeder war morgens in der Schule verkleidet (ich verkleidete mich mit 3 Freundinnen als die 4 Elemente – Luft, Feuer, Wasser und Erde) und in der Lunch-Pause gab es eine große Kostümparade inklusive Preise für die besten Kostüme. Abends dann lernten Franzi, ich und auch ein paar japanische Schülerinnen, die für nur 5 Tage bei mir und einigen meiner Freundinnen wohnten, das sogenannte „Trick or Treat“-ing kennen, bei dem man verkleidet von Tür zu Tür zieht und Süßigkeiten bekommt. Eigentlich eher etwas für kleinere Kinder, aber unsere Freundinnen ließen es sich nicht nehmen, uns auch in solche Dinge der kanadischen (oder diesmal eher amerikanischen) Kultur einzuführen.

Große Unterschiede zwischen Kanada und Deutschland waren nicht nur die Preise oder die Schule, sondern mir fiel besonders auf, wie viel offener und freundlicher die Leute dort waren. Das machte es natürlich auch viel leichter, schnell viele Leute kennen zu lernen.

Als sich dann meine 3 Monate dem Ende zuneigten, war ich unheimlich traurig und hatte große Angst vor dem Abschied. Eine unserer Freundinnen gab dann auch eine große Abschiedsfeier für mich und Franzi und als es dann zum Verabschieden kam, flossen sehr, sehr viele Tränen. Ich hätte mir vorher nie vorstellen können, wie sehr man Menschen innerhalb von nur 3 Monaten lieb gewinnen kann, aber vor allem in diesen Abschiedsmomenten hätte ich alles dafür gegeben, noch viel, viel länger bleiben zu können. Jetzt freue ich mich vor allem auf den März, wo ein paar meiner Freundinnen auf dem Weg nach Ägypten einen Tag in Frankfurt bleiben und ich sie wiedersehen kann.

Seit ich wieder in Deutschland bin ist seltsamerweise alles ganz genau wie vorher und es hat sich wirklich gar nichts verändert. Manchmal kommt mir die tolle Zeit sogar irgendwie unwirklich vor, weil jetzt hier alles so normal ist.

Alles in allem kann ich nur sagen, dass meine Entscheidung, nach Kanada zu gehen, die beste war, die ich je getroffen habe (auch wenn ich die Zeit, die ich dort verbringen durfte, viiiiiiel zu kurz fand) und dass diese 3 Monate definitiv zu den schönsten in meinem Leben gehören!

 

 

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