Jennifer Lehnen berichtet von der Mount Baker Secondary School - Cranbrook (British Columbia / Kanada)

Als allererstes muss ich sagen, dass mein Auslandsaufenthalt die beste Entscheidung war, die ich in meinem ganzen bisherigen Leben getroffen habe, und auch das beste halbe Jahr bisher war, trotz einiger kleiner Verbesserungsmöglichkeiten.

Ich bin Ende Januar für ein halbes Jahr nach Cranbrook aufgebrochen. Cranbrook ist eine kleine Stadt in B.C. in Canada mit nur 20.000 Einwohnern, die allerdings sehr schön in einem Valley liegt zwischen den „Rockies“ und den „Purcells“, zwei wunderschönen „Mountainranges“. Mir wurde vorher von vielen Leuten ziemlich eingeredet, dass ich mich sehr wahrscheinlich dort langweilen würde, was mir sehr Angst gemacht hat, aber das Gegenteil war der Fall. Die Gegend war perfekt für mich  (man muss Sport und Outdooraktivitäten lieben).

Mit meinen Gasteltern habe ich mich gut verstanden und sie waren immer sehr lieb und verständnisvoll, obwohl sie nicht perfekt zu mir gepasst haben. Mein Gastvater war Pastor, deswegen bin ich auch fast jeden Sonntag mit ihnen in die Kirche gegangen und obwohl ich in Deutschland nicht sehr „faithful“ bin, hat es mir in Canada eigentlich ein bisschen Spaß gemacht, weil man nette Leute kennenlernt und weil es ganz anders ist als in Deutschland; die Musik im kanadischen Gottesdienst steht im Vordergrund, was die ganze Sache für junge Leute ansprechend macht.

 Ich muss zugeben, dass ich auch viele „Internationals“ als Freunde hatte, weil es in Cranbrook auch ziemlich viele Austauschschüler gab (was mich zuerst auch ziemlich enttäuscht hat). Aber hauptsächlich hatte ich sowieso mit den Mexikanern und den Brasilianern zu tun, das heißt ich habe viel Englisch gesprochen, auch wenn ab und zu auch mal ein Deutscher dabei war. Außerdem habe ich dadurch, dass ich viel Sport gemacht habe, auch viele gute kanadische Freunde gefunden. Am Anfang habe ich in der Schulmannschaft Basketball gespielt, später im Club, (in Deutschland habe ich allerdings auch schon immer Basketball gespielt) und ich hatte fünfmal die Woche Training, das heißt ich hatte für meine anderen Freunde unter der Woche gar nicht so viel Zeit. Im Frühjahr habe ich dann Rugby ausprobiert und ich muss sagen, dass es einfach eine super Erfahrung ist, auch wenn dieser Sport nur etwas für wirklich taffe Menschen ist. Ich kann euch im Allgemeinen sowieso empfehlen an so vielen sportlichen Aktivitäten teilzunehmen wie möglich, weil man da die meisten Leute kennenlernt und auch ziemlich viel durch die Gegend kommt. Ich war zum Beispiel fast jeden Mittwoch den ganzen Tag mit irgendeiner Mannschaft unterwegs, sei es Basketball, Rugby oder „Track and Field“.

Desweiteren bin ich im Winter viel Ski gefahren, da das Skigebiet nur eine halbe Stunde entfernt war (es gab noch ein weiteres, das allerdings eine Stunde entfernt lag.). In Springbreak hab ich an einem Camp teilgenommen, was eine super Erfahrung war. In dieser Woche war ich das erste Mal nur von Kanadiern umgeben und ich habe sehr viele neue Sachen erlebt wie Cross-Country-Skiing, Snowshoeing und Avalanche-Training. Die letzten drei Tage sind wir dann mit den Skiern ins Backcountry gefahren und haben Wintercamping gemacht.

Außerdem hatten wir in Cranbrook ein großes „International-Program“, wodurch wir viele verschiedene Aktivitäten gemacht haben und auch als International-Group zusammengeschweißt wurden. Wir haben einen Rodeo besucht, sind zu den Hot-Springs gefahren, sind zusammen Ski gefahren und der Höhepunkt war unser 4-tägiger-Trip nach Edmonton in die West-Edmonton-Mall am Ende des Schuljahres.

Meine Schule war Mount Baker Secondary School und ich kann nur sagen, dass die Schule in Canada ganz anders ist als in Deutschland. Obwohl ich Grade 12- Courses hatte, war der Unterricht ziemlich langweilig, weil in der Schule überhaupt gar keine Disziplin herrscht. Am Anfang hatte ich noch Mathe, aber das habe ich nach Springbreak aufgegeben, weil es mir nichts gebracht hat. Also hatte ich nachher zwei verschiedene Sportkurse, die mir sehr viel Spaß gemacht haben, und English 12 und French Immersion 12. Wenn man Interesse an Sprachen hat und gerne sein Französisch verbessern möchte, sollte man diesen Kurs auf jeden Fall nehmen, da man selbst als Deutscher sehr gut mitkommt.  Der Französisch-Kurs hat mir auf jeden Fall geholfen, weil das Mündliche in Canada ganz im Gegenteil zu Deutschland sehr im Vordergrund steht. Auch wenn sich das jetzt alles mit der Schule nicht so gut anhört (vor allem für die Eltern), muss man einfach das Beste daraus machen und außerdem muss man sich einfach sagen, dass man auf jeden Fall gutes Englisch lernt und auch sonst viele andere Sachen, die wichtig im Leben sind. Außerdem ist der kanadische „School Spirit“ viel wichtiger und besser als in Deutschland.

Ich kann es auf jeden Fall nur empfehlen so ein Auslandsjahr zu machen, vor allem in Canada, weil es ein großartiges Land ist. Die Menschen sind sehr freundlich und offen und die Landschaft dort ist einfach nur überwältigend.

Der Abschied war sehr schwer für mich (es gab viele Tränen), aber ich bin mit vielen neuen Erfahrungen und vielen neuen und guten Freunden auf der ganzen Welt nach Deutschland zurück gekommen. Das Einzige, was ich mir gewünscht hätte, wäre, dass ich mich für ein ganzes Jahr entschieden hätte ;-)

TAKE CARE AND GOOD LUCK FOR ALL YOUR DECISIONS!!!!

Jenny