Jan Kramer berichtet aus Vancouver (British Columbia / Kanada)

Wie kommt man auf die Idee ein halbes Jahr im Ausland zu verbringen? – Ich persönlich habe davon von zwei bekannten gehört, die auch an solch einer „Großen Reise“ teilgenommen haben. Die ganzen Eindrücke haben mich dazu gebracht, dass ich mich im Internet über mehrere Organisationen schlaugemacht hab und so bin ich auch auf GIVE gekommen. Dann hab ich mich ziemlich schnell für Vancouver, Kanada, entschieden. Ein riesiges und eindrucksvolles Land und eine tolle Stadt, aber dazu nachher mehr. Naja, also hab ich mich einfach mal für ein Vorstellungsgespräch bei GIVE beworben und bin mit meinen Eltern nach Duisburg gefahren. Dort bekam man schon einige Schulen und deren Aktivitäten vorgestellt. Genau in diesem Augenblick bekam man schon Vorfreude auf den bald anstehenden großen Schritt ein halbes Jahr in einem fremden Lad zu leben. Einige Wochen später sind meine Eltern und ich zu dem Vorbereitungsseminar nach Köln gefahren, bei dem 5 Returnées von ihren Aufenthalten berichtet haben. Ab dem Zeitpunkt ist mir klargeworden, dass ich mich richtig entschieden habe. Das nächste halbe Jahr hat man noch nähere Infos über die Schule und den Flug bekommen, welcher gefüllt noch ewig hin war. Doch als man die letzten Besorgungen gemacht hat wurde es ERNST. Der Flug steht an. Ich bin erst von Düsseldorf nach Frankfurt und dann direkt nach Vancouver über den großen Teich geflogen. Der Flug war im Großen und Ganzem ganz entspannt, doch als wir über Vancouver unsere Warteschleifen gezogen haben gingen mir viele Sachen durch den Kopf und hab mir selbst die Frage gestellt: Was mach ich hier eigentlich? Aber als ich meine Koffer reibungslos bekommen habe und meine Gastfamilie (Hostmum und der ältere der beiden Brüder, Mein Hostdad und der jüngste im Hause haben auf mich zu Hause gewartet) mich schon herzlich nach der Absperrung begrüß hat, waren die Zweifel wie weggeweht.

 

Endlich im neuen zu Hause angekommen, hat mich meine Gastfamilie nicht ausgequetscht, sonder mir als erstes das Haus und meine „eigene“ Etage, die ich mir zwar mit meinem koreanischen Gastbruder teilen musste, aber in der ich auch mal gut meine Ruhe von meine zwei kleinen Gastbrüden haben konnte, gezeigt. Ab und an konnten sich schon mal nervig sein, doch Gastgeschwister machen einem das Einleben am Anfang leichter, weil sie sehr aufgeschlossen und lustig sind ;). Also ich dann meine Koffer ausgepackt hab, hab ich mich erst mal in mein Bett geschmissen und als ich dann ausgeschlafen am nächsten Nachmittag runtergekommen bin, hab ich meine neue Familie besser kennengelernt. Zusätzlich kam die einwöchige Schulpause gut, mit der Familie was zu unternehmen und um sie besser kennenzulernen. Als ich dann am darauffolgenden Montag zu Schule gegangen bin, die allerdings nur knapp zehn Minuten von meinem Haus entfernt war, war es am Anfang natürlich alles ein bisschen komisch, jedoch kannte man schon einige Deutsche, mit denen man die neuen Klassenräume suchen konnte und neue Bekanntschaften schließen konnte. Die Fächerauswahl war natürlich auch ein abwechslungsreicher und auch entspannender Punkt. Bei mir z.B. bestand die Hälfte jedes zweiten Tages aus Sport. Das Angebot der Kitsilano Secondary High war auch sehr groß. Ich natürlich, als „deutscher“ Junge, hab mich dem Soccer-Team angeschlossen.

Kanada ist einfach der HAMMER. Alles was man vorher in Deutschland über die Kanadier gehört hat trifft auch zu. Sie sind freundlich, hilfsbereit und gehen auch auf dich zu wie z.B. mehrere Familien aus meiner Fußball Mannschaft( Nicht die Schulmannschaft). Vancouver ist eine echt geile Stadt. Ich war so gut wie jeden zweiten Tag in Downtown mit Freunden. Hingen im Starbucks rum oder gingen die Robson- oder Granville Street rauf und unter.

Da ich in Vancouver gelebt hab und auch ein begeisterter Snowboarden bin, bot sich der Housemountain Grouse Mountain an, fast jedes zweite Wochenende ski-fahren zu gehen. Die Sicht von dem höchsten Punkt aus war gigantisch auf die Skyline von Vancouver, jedoch war es bei Dunkelheit noch tausendmal beeindruckender, als bei Tag. Natürlich war ich auch in Whistler. Sogar mehrere Male. Manchmal mit Freunden und deren Eltern, aber auch ab und an mit dem Bus der eine gute Alternative bot, falls man keine Mitfahrgelegenheit hatte. An Heiligabend war es etwas komisch, aber am nächsten Morgen war es ja auch in Kanada „Weihnachten“. Wir haben dann alle morgen groß zusammen gefrühstückt und danach waren die Geschenke dran. Es war auch mal toll so ein Weihnachten zu erleben, wie man es eigentlich nur aus dem Fernsehen kennt. Silvester wurde zwar nicht so gefeiert, wie hier in Deutschland, aber es war trotzdem ein gelungener Abend.

Die Zeit in Kanada waren echt super und ein geiler Abschnitt meines Lebens. Ich kann jedem nur den Aufenthalt empfehlen, weil man selbstständiger wird, toller Erfahrungen macht und sein Englisch um einiges verbessert. Auf der Rückreise hatte man dann doch die blöde Situation mit den gemischten Gefühlen. Einerseits wollte man nicht nach Hause, weil man die Leute, die man kennengelernt hat in der nächsten Zeit nicht mehr sehen wird, aber ich hab mich auch auf meine Eltern, meinen Bruder und meine Freunde gefreut. In Deutschland hab ich mich dann auch relativ schnell wieder gut eingelebt… und naja jetzt ist alles wieder normal.