Franziska Spiecker berichtet von der Westview Secondary School - Maple Ridge (British Columbia / Kanada)

„Coming Home, coming home, tell the world I’m coming home! Dieses Lied (von Diddy Dirthy Money)haben meine Freunde und ich die ganze Zeit im Flugzeug auf dem Weg zurück nach Deutschland gehört. Nach drei Monaten in Kanada konnten wir es alle nicht mehr erwarten endlich am Flughafen anzukommen und unseren Familien und Freunden in die Arme zu laufen. Nicht, weil es uns in Kanada nicht gefallen hat, sondern einfach weil wir uns so gefreut haben endlich alle wieder zu sehen.
Mittlerweile habe ich mich schon wieder gut im regnerischen Deutschland eingelebt und auch der Schulalltag hat mich wieder eingeholt. Aber, wenn ich abends so im Bett liege und mir wie so oft die vielen Fotos aus Kanada angucke, merke ich immer wieder wie schön es dort war und wie unglaublich viel ich einfach erlebt und gesehen habe.
Als ich im September in Kanada ankam, waren es noch hochsommerliche Temperaturen um die 30 Grad, blauer Himmel und Sonnenschein. Ich war todmüde vom 10 stündigen Flug, während dem ich, wie die meisten anderen Austauschschüler auch, vor Aufregung gar nicht geschlafen hatte. Doch erstmal bei meiner neuen Gastfamilie angekommen, war dann doch noch alles zu neu und aufregend, um gleich wieder schlafen zu gehen. Deshalb hielt ich es dann bis nach dem „Dinner“ (=Abendessen) aus und ließ mich dann erst erschöpft ins Bett fallen.
Nach zwei Tagen Zeit zum „ Einleben“ in die neue Gastfamilie, stand dann auch gleich für alle „Internationals“ eine Orientierungswoche auf dem Programm, zu der Städtebesichtungen, Kanufahren und Schwimmen in den klaren Seen Kanadas mit den Wäldern und Bergen im Hintergrund, genauso wie Tests in Mathe und Englisch zählten, die unseren Higschools helfen sollten, unseren schulischen Stand besser einzuschätzen. Während dieser Woche lernte ich schnell viele Leute kennen und dank des ganzen Programms war dann auch schon schneller als erwartet mein erster Schultag gekommen. Mit neuem Stundenplan, einem riesigen Plan des Schulgebäudes und dem Schloss meines Schließfaches bewaffnet, versuchte ich dann auch gleich mein eigenes Schließfach in dem Gewirr von Schülern und Lehrern zu finden, wobei ich an mindestens dreißig anderen Austauschschülern vorbeilief, die ebenso überfordert wie ich schienen.
Nachdem ich es dann endlich geschafft hatte, die Kombination meines Schließfaches richtig einzugeben ohne dabei alle anderen Sachen fallen zu lassen, machte ich mich, wenn auch etwas zögerlich, gleich auf den Weg, um den Klassenraum für meine nächste Unterrichtsstunde zu finden.  Ich lief durch tausend beinahe gleich aussehende Gänge und als schließlich vor dem richtigen Raum angekommen war, hatte der Unterricht natürlich längst begonnen. Zum Glück traf ich noch einen anderen deutschen Austauschschüler, der unschlüssig vor der Klassentür stand, und so betraten wir dann gemeinsam den Klassenraum. Die Lehrerin begrüßte uns sehr nett und auch alle anderen Schüler, für die der Unterricht mit Austauschschülern schon lange zum Alltag gehörte, nahmen uns so auf, als ob sie uns schon ewig kennen würden.
In der Lunchpause, sah ich dann auch alle meine anderen deutschen Freunde wieder, die sich genau wie ich ein bisschen wie in einem Film vorkamen, was vielleicht auch daran lag, dass die Sport Teams unserer Schule wie bei High School Musical „Wild Cats“ hießen und überall Leute mit diesem Logo auf dem T-shirt rum liefen. Zudem wurde die ganze Schule während der Pause einfach zu einem anderen Ort. Schüler lagen mit Laptops und Pizza in der Hand auf den Fluren, daneben dröhnte laute Musik aus irgendwelchen Boxen und ein Gang weiter fuhren die Jungs mit ihren Skateboards durch die Gänge, als würden sie sich irgendwo in einem Funpark und nicht in einem Schulflur befinden. Auch während des Unterrichts wurden die meisten Dinge die hierin Deutschland verboten sind, nicht so streng gesehen. Man durfte eigentlich überall Essen und Trinken und auch die Handys wurden nur von den wenigsten Lehrern beim Benutzen während der Stunde eingesammelt.
Da es in Kanada kein dreigliedriges Schulsystem gibt, ist das Schulniveau etwas tiefer als in Europa, so dass die ganzen Austauschschüler aus europäischen Ländern meist Kurse in ein oder zwei Stufen höher gewählt haben.
Das beste an der Schule waren die Sportkurse, während denen man immer viele Ausflüge gemacht hat und dadurch auch am meisten Kontakte mit den Kanadiern knüpfen konnte.
An den Wochenenden bin ich oft mit meinen Freunden nach Vancouver zum Shoppen oder Sightseeing gefahren, wobei man echt sehen konnte, warum Vancouver eine der Städte mit der höchsten Lebensqualität der Welt ist.
Auch mit meiner Gastfamilie habe ich beinahe jedes Wochenende, was unternommen, sodass ich gar nicht mehr wirklich mitbekam, wie schnell die Zeit verging. Ehe ich mich versah, waren die Bäume schon gelb-rot verfärbt und auch die für Kanada typischen Regentage wurden nun häufiger.
Doch auch das hielt nicht lange, denn schon bald wurde es so kalt, dass der Regen zu Schnee wurde und alles mit einer dicken, weißen Schicht bedeckte. Bald darauf fuhr ich dann auch mit meiner Gastfamilie für eine Woche weiter in den Norden von Kanada, nach Jasper und in die Rocky Mountains, wo es dann natürlich noch mal kälter wurde und wo dementsprechend auch noch mehr Schnee lag. Bei -16 Grad kletterten wir durch verschneite Canyons, schwammen in „Hotsprings“ ( heiße Quellen, deren Wasser man in Pools weiter geleitet hat)und sahen Elche, Rehe, Hirsche Kojoten usw. vor unseren Nasen über die Straße laufen. In dieser Woche konnte ich noch einmal eine ganz andere Seite von Kanada sehen und doch weiß ich, dass es noch so viel mehr zu sehen gibt, das Kanada einfach ein flächenmäßig riesiges und vor allem von der Natur her wunderschönes Land ist. Wo sonst kann man Skifahren und dabei auf die Wälder, das Meer und die Skyline Vancouvers gleichzeitig gucken?
Ich jedenfalls bin froh, dass ich mich entschieden habe nach Kanada zu gehen, denn all die wunderbaren Dinge, die ich dort erleben durfte; all die wunderbaren Freunde, die ich dort gefunden habe; und natürlich meine wundervolle Gastfamilie, die mir so viele Dinge ermöglich hat, werde ich ganz bestimmt nie vergessen und ich hoffe, dass ich irgendwann in meinem Leben noch mal die Chance bekomme nach Kanada zu gehen.
... Und es stimmt wirklich, in einem anderen Land, mehrere tausend Kilometer von zu Hause entfernt, merkst du, wer du bist, was du willst, und welche Menschen dir wirklich wichtig sind ;)
 

Fotos zu diesem Bericht

Dein High School Aufenthalt - optimal mit GIVE
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