Diana Stritzelberger berichtet aus Vancouver (British Columbia / Kanada)

Ich kann es noch gar nicht glauben. Fünf Monate in Kanada sind wie im Flug vergangen und jetzt bin ich schon wieder hier in der Heimat. Rückblickend kann ich sagen, dass es eine unglaublich tolle Zeit war, in der ich sehr viel erlebt und erfahren habe.

Als ich im Flieger saß, war ich natürlich sehr aufgeregt und gespannt auf das, was mich am „anderen Ende der Welt“ wohl erwarten würde. Sprache, Gastfamilie, Schule und kanadischer Alltag. Eins war mir klar: ein halbes Jahr so weit entfernt von Familie und Freunden in der Großstadt Vancouver zu leben- es würde etwas ganz neues für mich werden.

Am Flughafen wurde ich von meinem Gastvater, Rory, abgeholt und mit seiner freundlichen, gewinnenden Art zeigte er mir sofort halb Vancouver mit seinen schönsten Ecken. „Zuhause“ angekommen lernte ich meine Gastmutter Shaun, meinen Gastbruder Michael und meine 18- jährige Gastschwester Isabella kennen. Sie interessierten sich sofort für mich und bombardierten mich mit Fragen über meine Heimat. Der erste Bann war gebrochen. Über meine ganzen fünf Monate hinweg waren sie immer sehr hilfsbereit und nett; ich muss sagen, dass ich mich bei ihnen wirklich sehr wohlgefühlt habe.  Sie nahmen mich sogar einmal auf einen 3-Tages - Trip nach Seattle mit.

In meiner Familie war es der Fall, dass jeder morgens zu unterschiedlichen Zeiten aufstand und demnach jeder für sein Frühstück verantwortlich war. Das Mittagessen fiel eher klein aus, da abends immer zusammen warm gegessen wurde. Meine Gastmutter kam immer ziemlich spät von ihrer Arbeit nachhause, sodass ich meinem Gastvater abends meistens mit den Vorbereitungen für das „Dinner“, also das Abendessen, half. Durch Mithilfe im Haus, die aber auch nicht zu übertrieben ausfiel, gelang es mir, mich besser in die Familie einzubringen und mich mit ihnen auszutauschen. So deckte ich beispielsweise oft den Tisch und räumte ihn ab, bereitete den Salat oder ab und zu auch einmal das Abendessen zu, räumte die Spülmaschine ein und aus oder erledigte so manchen Einkauf. Abends sahen wir uns manchmal einen Film zusammen an und aßen von Rory selbstgemachtes Popcorn dazu. Wir machten ein paar gemeinsame Radtouren, besuchten Konzerte und Musicals und hatten auch einige Geburtstage zu feiern, wie z.B. den 18er meiner Gastschwester Isabella. Ich hatte das Gefühl, dass meine Familie sich sehr bemüht hat, mir Abwechslung zu bieten und mir Empfehlungen zu geben und wir harmonierten sehr gut miteinander. Hatte meine Gastfamilie einmal keine Zeit, dann traf ich mich in meiner Freizeit oft mit Freunden. Wir gingen ins Kino, fuhren Rad, gingen zum Paintballen, auf Konzerte, gemeinsam (Abend)Essen, Shoppen, zum gemeinsamen Work-out, wandern, ski- fahren, und noch einige Dinge mehr; in der Großstadt Vancouver boten sich uns täglich zahllose Freizeitaktivitäten.

Der erste Monat, Februar, war wohl der schwierigste für mich. Ich musste mich an eine neue Familie gewöhnen, mit dem Englisch zurechtkommen, mich mit dem sich von Deutschland unterscheidendem Verkehrssystem vertraut machen und mich natürlich in das Schulleben dort einfügen. Es war anfangs nicht leicht, da ich eben auch ohne die Hilfe meiner Eltern klarkommen musste und meine Freunde schon ziemlich vermisste. Ich blieb allerdings in regelmäßigem Kontakt mit Familie und Freunden und nachdem ich mich soweit in meiner näheren Umgebung auskannte, war der hauptsächlich regnerische Februar vergangen und ich fühlte mich schon richtig heimisch.

Meine Schule, „Magee Secondary School“, bedeutete für mich zunächst eine Umstellung. Es gab deutlich mehr Schüler, mehr Unterrichtsräume, diverse Fächerangebote sowie andere Schul- und Unterrichtszeiten. Mein Schulalltag bestand grundsätzlich aus einem recht einfachem System: Es gab „Tag 1“ und „Tag 2“. Tag 1 hatte seine 4 Fächer und an Tag 2 hatte ich 4 andere Fächer. Insgesamt belegte ich also 8 Kurse, aufgeteilt auf zwei Tage die sich immer abwechselten. Der Unterricht dauerte 80 Minuten pro Fach und wir hatten jeweils 10 Minuten Pause dazwischen; Mittagspause – also Lunch dauerte 50 Minuten. Die Größe und allgemein das sich deutlich von Deutschland unterscheidende Schulsystem waren für mich in erster Zeit wirklich etwas verwirrend. Nach etwa einer Woche jedoch kannte ich mich soweit aus, zumal ich Unterstützung von meinem sehr hilfsbereiten und netten counsellor, also meinem Betreuer dort, bekam. Die Schule begann immer um 8:40 Uhr, sodass ich etwas ausschlafen konnte. Außerdem befand sie sich in der Nähe des Hauses meiner Gastfamilie, sodass ich morgens nur etwa 20 Minuten zur Schule benötigte. Von meinen Mitschülern wurde ich sofort herzlich willkommen geheißen, sie interessierten sich sehr für mich und meine Kultur und ich fand tatsächlich schnell Freunde, mit denen ich auch nach der Schule, die um 15 Uhr endete, in meiner Freizeit etwas unternahm. Die Schule hat mir dort viel Spaß gemacht, zumal auch viele Kurse, Clubs und Freizeitaktivitäten angeboten wurden, wie z.B. Kochen & Backen, Printing, Theater, Ski- und Snowboard, Rudern, Fußball, Leichtathletik (worin ich beteiligt war) und vieles mehr! Ich mochte meine Schule außerdem sehr, da sie sehr auf die Talente und Begabungen der einzelnen Schüler Wert legte und diese gezielt förderte. Dazu gehörten z.B. Gebiete wie Musik, Kunst und auch Sport. Der Sport war an meiner Schule, und allgemein in Vancouver wie mir auffiel, ein großes Thema. Da ich mich, zusammen mit einer kanadischen Freundin, dem Leichtathletik Team meiner Schule anschloss, nahmen wir auch an einigen Wettbewerben und Wettkämpfen teil und hatten oftmals nach der Schule unser Training. Teil einer Gemeinschaft, in diesem Fall eines Sportteams, zu sein, war für mich ein tolles Erlebnis. Wir hatten so viel Spaß und Erfolg zusammen in der Gruppe! Natürlich wollten wir erfolgreich sein, gut abschneiden und waren ehrgeizig; der Spaß stand jedoch stets an erster Stelle! Am Ende des Schuljahres würdigte die Schule sogar unsere (besonderen) Leistungen und die Leistungen der Schüler in anderen Themenbereichen mit Medaillen.

Gegen Ende fiel mir der Abschied tatsächlich sehr schwer. Ich würde meine Gastfamilie, all die liebenswürdigen Menschen und neu gewonnenen Freunde, Baseball zu spielen, Erdnussbutter und den populären Ahornsirup, sowie die Stadt mit den Bergen und Stränden an der Pazifikküste vermissen.

Insgesamt blicke ich stolz auf eine fantastische und ereignisreiche Zeit zurück, die mir in so vielen Lebensbereichen Erfahrungen eingebracht hat. Ich lernte nicht nur, die Sprache fließend zu sprechen, sondern erlebte fünf Monate lang den Flair dieser wunderschönen Großstadt, ich bekam einen Einblick in die facettenreiche kanadische Kultur, erlebte die Highschool live wie man sie sich vorstellt und lernte viele nette Menschen kennen. Kanada war für mich zur zweiten Heimat geworden.

Diana Stritzelberger

 

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