Claudia Scheuerle berichtet von der Mount Baker Secondary School - Cranbrook (British Columbia / Kanada)

Am 20 August ging es endlich los: ich startete mit meiner Familie von Frankfurt aus zu meinem ersten Transatlantikflug. Nach zwei Wochen Urlaub erreichten wir schließlich das Haus meiner Gastfamilie. Aus Telefonaten vor meiner Abreise wusste ich schon, dass ich eine kleine Einliegerwohnung ganz für mich alleine haben würde und es hat dann meine Erwartungen noch deutlich übertroffen. Ein großer Wohnraum mit komplett eingerichteter  Küche, ein Schlafzimmer mit kleinem Fernseher, eigenes Bad mit Waschmaschine und Trockner. Hier habe ich mich gleich wohl gefühlt und wurde von den anderen Gastschülern, die mich besuchten, regelmäßig beneidet. Da meine Gastfamilie mich gut in den Alltag integrierte, Ausflüge unternahm und v.a. meine Gastmutter immer rührend um mich besorgt war, lebte ich mich hier sehr schnell ein. Auch mit der Sprache gab es keine Probleme, bald verstand ich auch meine kleinen Gastgeschwister sehr gut, währen andere Internationals damit lange Probleme hatten und immer nachfragen mussten: „Was haben sie gerade gesagt? Wie kannst du das nur verstehen!“. Am Anfang war ich noch etwas einsam, weil ich niemanden kannte, das änderte sich aber schnell, denn für die Internationals fand gleich zum Beginn des Schuljahres ein Ausflug in den Banff Nationalpark statt. An diesem Wochenende fand ich meine besten Freunde mit denen ich in den nächsten viel unternahm: Eishockeyspiele besuchen, Shoppen, Ausflüge machen, Übernachten, Bowlen.

Noch etwas zum Essen: Insgesamt fand ich das Essen in Kanada sehr gut, weil meine Gastmutter sehr gut kochte. Es kam sehr selten vor, dass wir mal in ein Fastfoodrestaurant gingen. An dieser Stelle muss ich „Tim Horton´s“ erwähnen: eine kanadische Fastfoodkette, die verschiede sehr leckere Kaffees, Donuts, Sandwiches und andere süße Sachen anbietet und… es ist einfach nur lecker. Die Kanadier sind sehr stolz auf „ihr“ Tim Horton´s.

Meine Schule war die Mount Baker Secondary School. Dort hatte ich Drama 10, English 11, Photography 11 und Girls in Motion. Meine Freundin und ich nannten Girls in Motion aber meistens nur „Girls in slowMotion“ weil es wirklich sehr entspannt zuging, aber es war sehr witzig. Wir versuchten sehr viele Sportarten: Tennis, Klettern, Golfen, Mountainbiking, Kayaking, Schwimmen und vieles mehr. Mein Lieblingsfach war mit Abstand Drama. Zum einen ist die Lehrerin richtig gut, zum anderen haben wir sehr viele Spiele gespielt, was am Anfang ein großes Problem für mich war. Die Spiele hatten alle etwas mit Theaterspielen, also mit Improvisation und Verstellen der Persönlichkeit zu tun. Auf Deutsch: „kein Problem“, auf Englisch: „RIESEN Problem“. Erst habe ich nicht verstanden was ich tun musste, weil meine Lehrerin einen starken amerikanischen Akzent hatte und dann wusste ich nicht, was ich sagen sollte. Die Schüler waren alle sehr nett und haben mir geholfen, wenn ich die Spielregeln nicht verstand. Schon nach ein paar Wochen konnte ich richtig mitspielen ohne immer zu schauen was die anderen denn so machen. Insgesamt muss man sagen, dass das Verhältnis zu den Lehrern in Kanada viel entspannter und freundschaftlicher ist als in Deutschland, was auch daran liegt, dass sie einfach viel lockerer drauf sind und jeden Spaß mitmachen. Dies hat sich ganz besonders am Wild Day gezeigt: Das ist ein ganz besonderer Tag in der Schule an diesem Tag fand kein regulärer Unterricht statt, sondern es gab eine große Challenge für die ganze Schule. Zwei Tage zuvor wurden jeder Klasse eine Farbe zugeteilt, in der man sich dann anziehen musste. Leider hatte meine Klasse die Farbe Silber erwischt und sich in Silber anzuziehen, stellte sich als Herausforderung heraus. Selbst die Lehrer verkleideten sich in den Farben und feuerten ihr Team an. Die einzelnen Gruppen trafen sich in der Sporthalle und sofort finden die Spiele an. Es gab Dodgeball, Riesentwister, Tauziehen, Riesenfußball, Rennspiele, Busziehen und ganz am Schluss das Highlight: Slip and Slide. Eine lange Plastikplane wurde auf dem Rasen ausgelegt und mit Seifenwasser bespritzt. Man musste Anlauf nehmen und sich auf den Bauch schmeißen und rutschen, jeder hatte sehr viel Spaß, denn am Ende waren wir alle durchnässt.

Die häufigen „free Fridays“ fand ich auch toll, so hatten wir ganz oft ein richtig langes Wochenende. An einem solchen Freitag kam es zum aufregendsten Erlebnis meines Kanadaaufenthalts: Ich passte an diesem Tag auf meine Gastgeschwister auf und wir gingen nach draußen zum Skateboard fahren (also nur die zwei, ich nicht J ). Als wir wieder zurück nach Hause gingen, entdeckten wir schon von weitem, dass sich ein ziemlich großer Schwarzbär auf der Auffahrt befand. Ich hatte zwar schon mitbekommen, dass es um unser Haus( wir wohnten am Waldrand) in diesem Herbst öfter Bären gab, hatte aber bis zu diesem Zeitpunkt nur einen gesehen und da stand ich hinter einem Fenster im sicheren Haus. Wir blieben alle stehen und warteten einige Minuten und der Bär trottete langsam wieder davon. Erleichtert, dass wir nicht Stunden warten mussten, gingen wir auf unser Haus zu. In der Einfahrt angekommen, mussten wir aber feststellen, dass der Bär keineswegs weg war, sondern sich nur in den Garten des Nachbarn verzogen hatte und nur durch den Campinganhänger von uns getrennt keine 10m entfernt vor uns stand. Wie gelähmt standen wir auf der Auffahrt, mein kleiner Gastbruder tippte schnell den Code für die Garagentür ein. Der Bär schaute uns dabei zu, wir rannten ganz schnell ins Haus. Dieses Erlebnis werde ich nie vergessen. Als meine Gastmutter davon erfuhr, hatte sie erst einem einen Panikanfall, war aber sehr froh, dass uns nichts passier war.

Es gäbe noch über viele Dinge zu berichten, die meine zwei Monate zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht haben, über die Gastfreundlichkeit und die Lebensfreude der Kanadier und dieses riesige, wunderschöne Land. Aber das werdet ihr ja bald selbst erleben! Viel Spaß